Memento Mori – Was meint das?

„Memento mori“

Der lateinische Ausspruch „Memento mori“, der im Mittelalter das Motto einer klösterlichen Gegenbewegung gegen den moralischen Verfall vor allem der christlichen Kirche war, bedeutet die Erinnerung an die eigene Sterblichkeit. Auf Deutsch kann man diesen Ausspruch mit „Gedenke zu sterben“ wiedergeben. Im Gegensatz zum alt-römischen „Memento moriendum esse“ („Bedenke, dass Du sterblich bist“), mit dem Feldherren während ihres Triumphzuges in Rom vor Hybris gewarnt wurden, ruft das mittelalterliche „Memento mori“ den Menschen in die Selbstreflexion über seine eigene Existenz und konfrontiert ihn mit dem Faktum seiner eigenen End- und Vergänglichkeit.

Die Gewissheit des eigenen Todes, die Gewissheit der Vergänglichkeit des irdischen Daseins gehört nun wie kaum etwas anderes zu den Grundtatsachen der menschlichen Existenz – und ein Leben eingedenk des eigenen Todes, ein Leben so, als ob es kein Morgen gäbe, bedeutet ein ganz anderes Leben als das, das im Gefühl der Endlosigkeit nach dem Motto „morgen ist auch noch ein Tag“ gelebt wird. Die Gewissheit des eigenen Todes ist es, die – nach Martin Heidegger – die eigene Existenz in Eigentlichkeit erst ermöglicht

 

Der Ausspruch gilt als Vanitas-Symbol. Vanitas beschreibt die christliche, jüdische Vorstellung, dass sämtliches Leben auf der Erde vergänglich ist. Solche Vanitas-Motive zeigen und erinnern daran, dass der Mensch keine Gewalt über das Leben hat. In der Kunst finden sich häufig Sanduhren oder Totenschädel, die verdeutlichen, dass alles Leben irgendwann vergangen sein wird. […]

Nach einem ersten Hoch im Spätmittelalter, das vor allem auf das Diesseits ausgerichtet war, erlebte der Memento mori-Gedanke im 14. Jahrhundert erneut eine Blüte. Ursächlich ist die Pest, also der Schwarze Tod, der Europa heimsuchte und viele Menschenleben forderte. In diesem Zuge wurde das Ideengut aber alsbald maßlos ausgenutzt und fast ausschließlich auf den Ablasshandel reduziert. Das funktionierte insofern, als dass sich viele vor den Strafen, die sie im Jenseits ereilen würden, fürchteten. […]

In den verschiedenen Epochen der Kunstgeschichte wurden Vanitas-Motive immer wieder verarbeitet, zu denen der Sinnspruch letzten Endes gezählt wird. Dabei wurden immer mehr Symbole gefunden, die die Vergänglichkeit des Irdischen verdeutlichen. Die bekanntesten sind wohl die Sanduhr, der Totenschädel, teils auch ein ganzes Gerippe, sowie die gelöschte Kerze. […]

Hinweis: Der Memento mori-Gedanke findet sich auch später noch in zahlreichen Darstelllungen sowie Ausprägungen der und ist auch in der Postmoderne zu finden. Allerdings gilt das Vanitas-Motiv im strengen Sinn als überwunden und die Annahme, dass nicht alles, was der Mensch erschafft, nichtig ist, hat spätestens seit dem 18. Jahrhundert die Oberhand gewonnen.

(gekürzt aus https://wortwuchs.net/memento-mori/, 25.01.2023)

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