Die Bedeutung der Ritter

Ritterliche Tugenden und höfische Kultur
Man spricht noch heute von ritterlichem Verhalten, wenn sich ein Mann achtungsvoll, großzügig und vor allem hilfsbereit verhält. Diese Werte gehen auf die Besonderheiten der ritterlichen Ethik im Mittelalter zurück: Aus dem Ritterstand entstammte ein ritterlicher Ehrenkodex, der schließlich für den ganzen Adel verbindlich wurde:

  • An der Spitze der ritterlichen Tugenden stand die triuwe (die Treue) zum Lehnsherrn, die aber auch das gegebene Wort und die beständige Liebe zu Gott einschloss.
  • Zu den Tugenden gehörten weiter die staete (die Beständigkeit), das beharrliche Festhalten am Guten und Richtigen, die durch die maze (das maßvolle Handeln) unterstützt bzw. korrigiert wird.
  • Diese Tugenden zusammengenommen sollten den Ritter zur zuht (Selbstzucht) und einem vorbildlichen Leben führen.

Die ritterlichen Tugenden verpflichteten jeden Ritter zur Wahrung von Frieden und Recht, zum Schutz der Armen und Schwachen, zur Schonung des besiegten Gegners und zum Dienst für Gott und Kirche.

Die Umgangsformen eines Ritters mussten sich andererseits durch hövescheit (Höfischkeit) auszeichnen: Neben festlicher Kleidung oder geistreichem Gespräch war es eine respektvolle Haltung zur Frau, die Minne (die „höfische Liebe“), welche vom Ritter gefordert wurde. Minne wurde als verehrendes, dienendes Werben um die Gunst der Frau verstanden (Bild 2), also als Dienst, der an den Höfen auch im Minnesang seinen Ausdruck fand. Im 12. Jh. sind es Dichter und Troubadoure, die die Liebe entdecken und besingen. In ihren Liedern und Gedichten zelebrieren sie eine nachgerade kultische Verehrung der adligen Frauen.

Ein Ritter konnte seine vorbildliche Höfischkeit nicht nur in der Minne, sondern auch beim Waffengang imRitterturnier beweisen: Turniere wurden ab dem 12. Jh. zu einer wichtigen „Schaubühne“ höfischen Verhaltens (Bild 3). Sie boten außerdem die Möglichkeit, sich in der Kriegskunst zu üben. Die Begegnungen zweier Ritter im Turnier liefen nach einem strengen Regelwerk ab. Sie konnten friedlich oder feindlich ausgerichtet sein.

  • Bei feindlichen Turnieren wurden scharfe kriegstaugliche Waffen eingesetzt. Sie endeten deshalb häufig mit dem Tod eines der Gegner.
  • Friedliche Auseinandersetzungen fanden mit abgestumpften Lanzen und Schwertern statt und trugen mehr den Charakter des sportlichen Kräftemessens.

Auch die Wahl der von den Turnierteilnehmern getragenen Abzeichen hing mit dem Charakter des Kampfes zusammen. War er feindlich, trugen die Ritter ihr Familienwappen als Kampfzeichen. Ging es nur um die Ehre, wurden andere Zeichen getragen. Anhand der besonderen farblichen Gestaltung der Ausrüstungsgegenstände konnten die einzelnen Ritter von der zuschauenden höfischen Gesellschaft unterschieden werden. Außerdem verdeutlichten die Farben den Stand eines Ritters und die jeweils geltenden Kampfregeln. Diese Regeln waren vom ritterlichen Ehrenkodex geprägt und bezogen sich vor allem auf Verhaltensmerkmale wie Mut, Ehre und Großherzigkeit.

Ideal und Wirklichkeit
Das wirkliche Leben der Ritter stand nicht selten im krassen Widerspruch zu den ritterlichen Tugenden und den Idealen der höfischen Kultur.
So bestimmten beispielsweise häufig – statt Minne und Anbetung – eher Gewalt bis zur Vergewaltigung das Verhältnis der Ritter zu den Frauen. Und gegen die eigenen feudal abhängigen Bauern verhielten sich die Ritter nicht unbedingt den Werten ihres Ehrenkodex entsprechend.

WALTHER VON DER VOGELWEIDE hat dieses Problem des Rittertums auf den Punkt gebracht, indem er in einer seiner Dichtungen schrieb:

„Ich saß auf einem Stein, die Beine übereinander geschlagen, das Kinn in die Hand gestützt, und dachte lange nach, wie man drei Dinge vereinbaren könne, ohne eines davon zu schmälern. Zwei sind Ansehen und Besitz; das dritte ist die Gnade Gottes, die weit mehr gilt als die beiden anderen … Aber leider kann es nicht sein, dass Besitz und weltlicher Ruhm und dazu noch Gottes Gnade zusammen in ein Herz kommen.“

https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/das-rittertum-im-mittelalter (gekürzt, 26.01.2023)

Kommentar schreiben